Alt Rognitz

Starý Rokytník

Alt Rognitz

Beitragvon Brigitte Bernstein » Fr 4. Nov 2011, 14:39

Alt Rognitz

Alt Rognitz breitet sich im Tal des Mühlbachs aus. Im Jahre 1900 zählte der Ort 1014 Seelen und an die 200 Häuser. Ein Denkwürdiger Bau ist die über den Ort aufragende St. Simon und Judas - Kirche aus dem Jahre 1430 (erstmals schon 1384 an anderer Stelle erwähnt). Zur Zeit des Wirkens der Jesuiten in Zirec wurde hier im Ort deren pompöse Residenz in Nähe der Kirche errichtet. Nach der Auflösung des Jesuitenordens im Jahre 1773 barg sie eine Schule - bis auch diese ausbrannte. Die Ruine des Jesuitenschlösschens ist auf dieser Ansichtskarte von 1902 festgehalten.
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Brigitte Bernstein
 
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Alt Rognitz

Beitragvon Brigitte Bernstein » Fr 4. Nov 2011, 19:55

Alt Rognitz
Abgeschrieben aus der Riesengebirgszeitung (1901)

Das Dorf Alt Rognitz liegt an der Straße, welche bei der sogenannten Oberscheuern in Trautenau von der Prager Straße abzweigt und dann über die kleine Einsenkung zwischen Kapellenberg und Gablenzberg führt.
Alt Rognitz bildet eine selbstständige Gemeinde, zu welcher auch die daran anschließende Ortschaft Rudersdorf, sowie ein Teil der an der Königinhofer Straße gelegenen Ortschaft Neu Rognitz und die östlich von Alt Rognitz gelegene Einschichte Wiesenbauden gehören. Die Gemeinde zählt mit den zugeteilten Ortschaften 200 Häuser und 1014 Einwohner. Die jährlichen leistungen an direkten Steuern beträgt 5385 Kronen. Die angrenzenden Nachbarorte von Alt Rognitz sind Trautenau, Bausnitz, Saugwitz, Raatsch, Staudenz, Neurognitz und Hohenbruck.
Die Höhe des Ortes über den Meeresspiegel beträgt gegen 420 bis 450 m. Die bedeutendste Bodenerhebung in der Umgebung des Ortes sind : Der Plattenberg ( 530m), der Mittelberg und der Lomasberg, Der Ort selbst liegt in einem tiefen aber flachen Tale, welches sich in der Richtung von Norden nach Süden erstreckt und der ganzen Länge nach von einem Bächlein durchflossen wird. Die linke Talseite ist im Norden sandig, im Süden kalkig; die rechte Talseite dagegen ist milder Lehmboden. Die erstgenannte Talseite ist trocken und besteht ausschließlich aus Feldern und Wäldern, die letztere dagegen ist feucht, und es wechseln daselbst Felder und Wälder mit Wiesen mannigfach ab. Die verschiedenen Teile des Ortsgebietes führen alle den Namen " Flur " , so z.B. Grabenflur, hohe Sandflur, Schützenflur. Auf den Wiesen sammelt sich das Wasser zu einem Bächlein, (Wiesenwasser) welches eine künstlich angelegte Fischerei durchfließt und im unteren Teile des Dorfes in das früher genannte Bächlein mündet, das sich von hier angefangen durch ein Seitental schlängelt und unterhalb Bausnitz als sogenannter Mühlbach in die Aupa mündet. Belebt ist dieser Bach von Forellen, Krebsen und anderen Fischarten
Das Klima des Ortes ist mild weshalb unsere einheimischen Getreidearten und der Flachs gut gedeihen. Die Bewohner sind ausschließlich Deutsche, die sich mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigen. Letztere bildet eine Haupteinnahmequelle für das Dorf, da die in der Nähe befindliche Stadt Trautenau ein großes Absatzgebiet für Milch bildet.Zur Hebung der Viehzucht wurde die Kuhländer - Kreuzung eingeführt.
Die Zahl der Handels - und Gewerbetreibenden beträgt 39.
Alt Rognitz hat drei Mühlen, welche an dem " Wiesenwasser" liegen, und zu welchen ein kleiner Teich gehört. Die früher schon erwähnte Anlage zur künstlichen Fischzucht ist bei den sogenannten " Teichhäusern" , etwas seitwärts von dem Wege, der nach Neu Rognitz führt, und gehört unter den Titel " Riesengebirgs - Fischzucht - Anstalt in Alt Rognitz" dem Franz Maier ( Goldenöls). Dieser besteht aus mehreren größeren und kleineren Teichen, welche ein Gesamtausmaß von 2,53 ha haben, und Raum zur Aufzucht von Forellen und Karpfen bietet. Die Ziegelerzeugung ist unbedeutend. Im Ortsgebiete kommen mehrere Steinbrüche vor, welche teils Bausteine, teils Straßenschotter (Kalksteine) liefern. In früheren Zeiten war die Ausbeute an Kalksteinen eine größere, und die selben wurden zu Kalk gebrannt; mehrere verfallene Kalköfen geben hiervon noch Zeugnis. In Neu Rognitz finden sich Wetzschiefer vor, und es werden daselbst Wetzsteine gerieben.

Von öffentlichen Gebäuden sind nur Kirche und Schule zu erwähnen. Die Kirche, den Aposteln Simon und Judas geweiht erhebt sich auf einem Hügel ungefähr in der Mitte des Dorfes und besteht seit dem Jahre 1384. Sie wurde aber von den Hussiten zerstört und es wurde im Jahre 1430 auf der Anhöhe wo sie jetzt noch steht eine kleine Kirche erbaut, welche der Pfarre Schatzlar als Filiale zugeteilt wurde. 1752 wurde sie von den Jesuiten vergrößert , von Schatzlar getrennt und zu einer Administratur erhoben. Erst seit dem Jahre 1858 ist sie wieder eine Pfarrkirche.
In der Kirche befindet sich eine Gedenktafel, welche die Namen der seit dem Jahre 1848 gefallenen Soldaten aus der Pfarrgemeinde Alt Rognitz enthält. Die genannte Tafel ist vom hiesigen Bildhauer Friedolin Rind gefertigt. Die Umrahmun ist ein wahres Kunstwerk. Das Zustandekommen dieses Erinnerungszeichens ist dem Gemeinderate Johann Wagner und dem Gemeindevorsteher Josef Pohl zu danken.
Die bisherigen Patronatsherren waren : Hans Silber von Silberstein, die Jesuiten, Kaiserlich bis 1825, die Herrschaftsbesitzer von Schurz: Martin Wagner, Heinrich Wagner und derzeit Josef Etrich.

Die Tauf und Sterbematriken gehen zurück bis zu Jahre 1784 und sind in deutscher Sprache geführt.
( Ich selber habe aber schon Taufmatrikel bis 1720 gefunden)

Link: http://rognitz.riesengebirgler.de/rognitz.htm
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Fortsetzung Altrognitz

Beitragvon Brigitte Bernstein » Sa 5. Nov 2011, 19:03

Fortsetzung von Alt Rognitz

Abgeschrieben Riesengebirgsheimatzeitung Zeit 1901
Vor der Kirche erhebt sich eine Ruine, welche von einer Sommerresidenz der Jesuiten stammt. Die Jesuiten hatten diese Residenz mit Erlaubnis der Kaiserin Maria Theresia erbaut, diese war aber nach Aufhebung des Ordens, nach dem sie eine Zeitlang als Schule gedient hatte, durch einen Brand zerstört worden.

Die Schule der Kirche gegenüber gelegen, ist dreiklassig. Das jetzige Schulhaus wurde im Jahre 1874 erbaut. Eine Schule mag in Rognitz seit dem Jahre 1786 bestehen. Der erste Lehrer war Josef Flögel, bis 1776, welcher 1765 die am Wege nach Bausnitz gelegene Sankt Josef - Statue errichten ließ-

Ihm folgten : Ignaz Flegel bis 1800, Johann Fiedler bis 1809, Franz Kuhn bis 1833, Josef Schubert bis 1834, Alois Patzak bis 1835, Vincenz Kuhn bis 1857, Ignaz Friedmann bis 1873, Johann Mertlik vom 1.April bis 2.Mai 1873 , Johann Hirschberg bis 1901.

1788 wurden die zur Herrschaft Nachod gehörigen Ortschaften Rudersdorf, Bausnitz, und Neusedlowitz, zur Rognitzer Schule eingeschult, letztere zwei Orte aber wieder ausgeschult. Gegenwärtig wird die hiesige dreiklassige Schule von 180 Kindern besucht.

Alt Rognitz soll 1008 von einem gewissen Adam Wostromirschsky, Rudersdorf 1009 von einem gewissen Rudolf Witzichowes, gegründet worden sein. Ursprünglich war Rognitz ein selbstständiges Gut, nach der Schlacht am Weißen Berge befand es sich unter den von der Regierung eingezogenen Gütern der Jesuiten. Von diesen wurde im Jahre 1697 Neu Rognitz gegründet. Im Kriegsjahre 1866 hatten Alt Rognitz, Neu Rognitz und Rudersdorf viel zu leiden. Am 27.Juni kam es zwischen den Österreichern und Preußen auf den Feldern des Oberdorfes zu einer Schlacht, in welcher die Österreicher nach heldenmütiger Gegenwehr besiegt wurden. Viele Hunderte tapfere Krieger blieben auf dem Schlachtfelde, und 5 Bauernhöfe. und 2 Häuser wurden ein Opfer der Flammen. Am nächsten Tage kam es zu einer noch blutigeren Schlacht bei Rudersdorf. Zahlreiche Denkmäler, welche von dem hier bestehenden Vereine zur Erhaltung der Kriegerdenkmäler vom Jahre 1866 teils errichtet, teils renoviert wurden, ehren das Andenken an die gefallenen Helden. Ein solches Denkmal erhebt sich nebst anderen westlich von Rognitz auf der sogenannten Airoldi - Höh, welches von dem Offizierscorps des k.u.k Infanterieregiment Baron Airoldi dem Andenken der tapferen Waffenbrüder errichtet wurde. Außer dem bereits genannten Kriegerdenkmal - Vereine besteht in Rognitz ein Feuerwehrverein, (gegründet 1878), ein land - und einen foestwirtschaftlichen Verein ( gegründet 1893) ein Raiffeisenkassenverein und seit neuster Zeit einen Turnverein.

Die Pfarrchronik berichtet : Anno 1008 ist das Dorf Rognitz von Adam Wostromirschsky erbaut, nach dem er von dem 16. Fürsten Ullrich in Böhmen seinen Abschied bekommen und es ihm wegen seinem langen und getreuen Dienste das Dorf und dass Schloss in Mitte der Gemeinde auf einer starken Anhöhe zum Lohne geschenkt hatte. Wie lange er es bewohnt hat, ist unbekannt.

Aber 400 Jahre später hat Herr Peter Mausowitz und Anna Rokitnika ( daher wahrscheinlich der Ortsname) das Dorf und das Schloss in Besitz genommen und zwar bis anno 1424, wo sodann der bekannte Johann Zischka Böhmen so sehr mit seiner Mannschaft von Prag und Tabor beunruhigte. Dieser Räuber hatte sich in Arnau festgesetzt und erlaubte seiner Mannschaft überall herumzustreifen, und Menschen unglücklich zu machen. So kam auch eine Rotte von diesem Gesindel bis nach Trautenau, begab sich da in den nächsten Wald, Katzauer genannt, und hielt sich dort einstweilen verborgen. Von da aus kundschafteten sie das Rognitzer Schloss und dessen Bewohner aus.

Unter dem Schlossberge, wo jetzt das Haus Nr.48 steht, war dazumal eine Badestube, welche Herr Mausowitz mit seiner Dienerschaft an einem Samstage besuchte, um sich eines Bades zu bedienen. Hiervon waren die Räuber durch einen Spion in Kenntnis gesetzt worden, machten sich eiligst im Walde auf, ein Teil der Rotte zum Schlosse, der andere Teil zur Badestube.

Die Rotte beim Schlosse rief laut, wie abgeschickte Boten vom Herrn, dem Pförtner zu. er möge die Tür öffnen und ihnen den Haarkamm, den der Herr vergessen und im Bade brauchte, übergeben.

Nach eröffneter Tür erwürgten sie den Pförtner, töteten die übrige Dienerschaft und raubten alles, was ihnen zufiel und zündeten endlich auch das Schloss an. Zur gleichen Zeit arbeiteten auch die anderen Bösewichte in dem Bade. Peter Mausowitz wurde getötet, seine Dienerschaft ergriffen, und die Badestube der Flammen übergeben,so dass sich nur wenige nackend retten konnten.So war die Badestube und das Schloss verschwunden. Von den Steinen des Schlosses soll dann die Kirche gebaut worden sein. An dem Orte, wo das Schloss gestanden, wächst jetzt Gras, an dem Orte, wo die Badestube gewesen, befindet sich ein Brunnen.

Die alte Ruine, die noch stehenden Mauern sind ein Überbleibsel aus der Zeit der Jesuiten in Schurz. Als sie von dem letzten Herrn, Gutsbesitzer Silber von Silbereisen die Ortschaft erhalten hatten, waren sie auch auf ein Ferialhaus bedacht. um in der Ferialzeit sich auch lustig und froh machen zu können. Der schöne Gedanke ward ausgeführt. Man machte ein Gesuch, einen Schafstall bauen zu dürfen, und die hochherzige Kaiserin Maria Therresia erteilte ihnen die Erlaubnis hierzu. Aber statt eines Schafstalls wurde ein prachtvolles Gebäude gleich einem Schlosse hergestellt, welches aber nach Aufhebung des Jesuitenordens durch Unvorsichtigkeit der Bewohner durch ein Feuer wieder zerstört wurde.

http://rognitz.riesengebirgler.de/rognitz1.htm
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Alt Rognitz

Beitragvon Brigitte Bernstein » Do 7. Aug 2014, 20:02

Hallo an das Forum
Da ich in den letzten Monaten sehr wenig Zeit hatte, meine Mutter braucht viel Pflege, und meinen Enkel er ist jetzt 1 Jahr versorge ich auch täglich, da seine Mama wieder arbeitet, musste ich für eine Zeit pausieren. Konnte aber gerade mit meinen Ahnen aus Alt Rognitz sehr viel weiter kommen.
Schöne Grüße Brigitte
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