Ostern

Bräuche und Riten

Ostern

Beitragvon Miranda » Di 13. Jul 2010, 14:25

Auszug aus Schutzengelchen von Franz Blaschka

Gründonnerstag

"Am Gründonnerstag, freilich! Zu ihm gehörten die Gründonnerstagssemmeln, morgens zum Frühstück.
Butter und Honig strich man darauf, richtigen Bienenhonig.
.....
Honigsemmeln gab es auch nur an diesem einen Tag im Jahr.
Bei ganz armen Leuten, welche nicht einmal das Geld hatten für das bisschen Honig, oder auch bei dem oder jenem Geizkragen, da gab es auch nur braunen Sirup darauf, welchen man für ein paar Kreuzer beim Bäcker holte oder im Konsum, oder in späteren Jahren auch Kunsthonig."

"Dieser Tag war besonders schön für die kleinen Mädchen. Sie gingen da von einem Haus zum anderen und sagten ihr Gründonnerstagssprüchlein auf.
Dafür bekamen sie jeweils eine Kleinigkeit in ihr Körbchen, ein Scheibchen Osterbrot mit Rosinen oder auch ein gekochtes Osterei oder eine kleine Münze.
....
Später während des Krieges (Anm.: 1. Weltkrieg), als die Leute wirklich nichts mehr zu verschenken hatten, ist der Brauch ganz eingeschlafen, und nach dem Krieg ist er auch nicht mehr aufgelebt. Eigentlich schade!"

Karfreitag / Karsamstag

"Der Tag darauf, der Karfreitag, war damals noch kein Feiertag. Da wurde gearbeitet, sogar in der Fabrik, bis um zwei Uhr nachmittags.
Dann wanderte man zur Kirche in die Kreuzwegandacht.
Das Dreiuhrleuten gab es da nicht wie sonst jeden Freitag, weil ja, wie man uns Kindern erklärte, die Glocken fortgeflogen waren nach Rom zum Papst, damit der sie segnete.
Erst am Karsamstagabend während der Auferstehungsfeier waren sie wieder da, und man konnte sie wieder hören vom Kirchturm herab.
In der Zeit, wo die Glocken fort waren, zogen die Kinder mit Klappern und Ratschen durch das Dorf und machten damit Lärm. Das klang zwar nicht so gut wie die Glocken, aber dem jungen Gesindel hat es sicher viel Spaß gemacht."

Ostersonntag

"In der gesamten Osterwoche wurde streng gefastet, und kein Stückchen Fleisch oder Wurst durfte gegessen werden, doch mit der Auferstehung war die Fastenzeit zu Ende. Sobald man aus der Kirche zurück war, wurde ein gutes Abendessen gerichtet.
Ostersonntag war großer Feiertag. Man ging zum Hochamt. Bei schönem Wetter machte man am Nachmittag gern einen Ausflug mit den Kindern, damit sie Ausschau hielten, ob vielleicht der Osterhase sich schon sehen ließe."

Ostermontag

"Der Hauptfeiertag für die Kinder, zuallererst für die kleinen und größeren Jungen, und auch für die jungen Mädchen, war der Ostermontag. Da ging man schmeckostern. Die Schmeckoster wurde schon in der Osterwoche geflochten, aus acht dünnen Weidenruten.
Für die kleinen Kerlchen mußte es wohl noch der Vater tun, doch die größeren Schulbuben und die Burschen mußten ihre Schmeckosterpeitsche schon immer selbst flechten. An die Spitze kam eine farbige Schleife oder eine Quaste aus bunten Wollfäden, und wenn es ganz besonders schön sein sollte, sogar eine große Bommel aus Wolle.
Schon sehr früh am Morgen sind die Schmeckosterburschen losgezogen. Die Kleinen gingen wohl ein wenig später.
Sogar während des Krieges ist das Schmeckosterngehen nicht ganz unterblieben, und danach ist der alte Brauch ganz schnell wieder aufgelebt.
Ich glaube, daß man im Böhmischen drüben sogar heute noch geht. Nur bei uns, die wir ja in alle Winkel Deutschlands zerstreut worden sind, war es dann aus damit. In der neuen Heimat ist es halt nicht gebräuchlich gewesen."

".... beim Schmeckostergang durchs Dorf auch so allerhand Unfug getrieben wurde.
.... von Haus zu Haus gezogen und haben sich ihre Ostereier zusammenschmeckostert. In jedem Haus eines. Da kam schon eine ganz ordentliches Bündel zusammen."

"Vor Ostern wurden in jedem Haus eine tüchtige Menge Eier gekocht und gefärbt, früher mit Zwiebelschalen oder grünen Blättern, später dann mit richtigen Eierfarben, die man im Geschäft kaufen konnte."
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Re: Ostern

Beitragvon holger » Do 15. Jul 2010, 19:51

Das Schmeckostern kann ich auch bestätigen. Mein Großvater (Jahrgang 20) hat mir davon erzählt. War wohl aber auch eine Sache, um Mädchen kennenzulernen, oder vielleicht habe ich das durcheinandergehauen...
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Re: Ostern

Beitragvon Miranda » Fr 16. Jul 2010, 00:54

nein, da hast Du nichts durcheinander gebracht. :)

Ich stelle in den nächsten Tagen noch einen weiteren Bericht zu dem Thema mit ein, da wird das Schmeckostern noch einmal etwas besser beschrieben.
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Re: Ostern

Beitragvon Brigitte Bernstein » Sa 2. Okt 2010, 18:24

Hallo ! Ich kenne diesen Brauch auch meine Eltern haben es nach der Vertreibung noch sehr lange weiter gelebt.
Es wurde aus Weidenruten ein langer Zopf geflochten, und es wurden wie sie immer erzählt haben an Ostern vor allem die zukünftigen Bräute besucht oder auch Mädchen die eben im heiratsfähigen Alter waren. Dabei wurden verschiedene Sprüche gesprochen: Einen habe ich noch im Kopf er ging so
Bin ein kleiner König, gib mir nicht zu wenig ; laß mich nicht zu lange stehn; muß noch ein Häuschen weiter gehn.
Dann mussten die Mädchen ein gefärbtes Ei übergeben.
Wir haben es immer etwas umgestaltet und sind beim Vater schmegostern gegangen.
Später sind auch die Kinder von Haus zu Haus gegangen und haben um verschiedene Naschereine gebettelt
Gruß Brigitte
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Re: Ostern

Beitragvon Brigitte Bernstein » So 3. Okt 2010, 09:47

Hallo ! Hir ist ein Nachtrag von Brigitte. Habe noch mal meine Mutter befragt sie meint auch das es so war wie ich Euch geschrieben habe, aber das bunte Ei bekam nur der junge Mann, der dem Mädchen auch gefiel, es war also eine Art Brautwerbung. Bei Paaren die schon gegenseitig versprochen waren gab es sogar einen bestimmten Spruch, meine Mutter kennt ihn noch . ( Auf Welhuttnisch, Sprache in Welhotta) Uster Schmeguster um die Beene, bleib immer hübsch daheeme
Wobei die jungen Männer versuchten mit der Weidenrute die Beine des Mädchens zuberühren. Womit gemeint war, das das Mädchen nur noch für diesen jungen Mann bestimmt war. Die Kinder gingen erst viel später schmegostern. Da wurde dann der Spruch mit dem kleinen König gesprochen.
Gruß Brigitte
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