Aus der Literatur...

Borovnice, Borovnička

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Beitragvon Fritzi » Di 16. Mär 2010, 21:47

Quelle: "Das Königreich Böhmen, bd. der Bidschower Kreis", von Johann Gottfried Sommer (1835)

Groß-Borowitz:
(In der deutschen Volkssprache die große Borz), 4 1/2 Stunden onö. von Gitschin, an einem kleien, in die Elbe gehenden Bache, langgestrecktes Dorf von 186 Häusern mit 1325 Einwohnern, von welchen 29 Häuser mit 261 Einwohnern zur Herrschaft Starkenbach gehören, und auch Groß-Borowitzer Branney heißen; beim hießigen Antheile ist 1 Lokaliekirche zu St. Veit, 1 Schule, 1 Wassermühle und 2 Windmühlen, welche südlich vom Orte, auf einer Anhöhe, 1/4 Stunde von einander entfernt liegen; die Kirche ist im Jahr 1720 neu erbaut worden, und gehörte ehemals als Filialkirche zum Sprengel des Petzkaer Pfarrers, bis sie 1785 einen eigenen Lokalisten erhielt, der aus dem (?) Religionsfonds besoldet wird. Groß-Borowitz war ehemals ein eigenes Gut und wurde nach der Schlacht auf dem Weißen Berge dem Rudolph Seidlitz confiscirt, worauf es 1623 Albrecht von Waldstein für 28.000 sl. kaufte und mit Petzka vereinigte.

Klein-Borowitz:
1 1/2 Stunden südöstlich von Tschista, einem nach Petzka eingepfarrtem Dorfe des Gutes Studenetz, 13 Häuser mit 105 Einwohnern.

Link: http://books.google.de/books?id=hKEJAAAAIAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_navlinks_s#v=onepage&q=&f=false
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Re: Aus der Literatur...

Beitragvon Fritzi » So 28. Mär 2010, 20:31

Quelle: „Heimatkunde des Hohenelber Bezirks“, von Franz Josef Jirasek, Hohenelbe 1907-1915; neu herausgegeben im Jahr 1986 vom Heimatkreis Hohenelbe/Riesengebirge e.V., Sitz Marktoberdorf/Allgäu

Großborowitz liegt in einem flachen Tale, welches sich von der Falgendorfer Hochebene in sanfter Neigung südöstlich gegen Kleinborowitz senkt, nördlich und südlich von zwei dem Riesegebirge vorgelagerten Höhenrücken begrenzt. Im Norden erhebt sich der Tschistaer Berg, im Süden der Windmühlenrücken.

Durch das Tal schlängelt sich der im westlichen Ortsteile entspringende Großborowitzer Bach. Verstärkt durch mehrere kleine Rinnsale übertritt derselbe im Osten auf Kleinborowitzer Gebiet. Ein zweiter Bach, der auf Großborowitzer Grunde entspringt, den Ort jedoch nicht berührt, fließt durch Zdirnitz und mündet in den Ölsner Bach.

Großborowitz ist wasserreich, hat viele natürliche Brunnen und bei der Fabrik einen über 70 m tiefen artesischen Brunnen.

Das Klima ist ziemlich rau; während des ganzen Jahres gibt es nur wenig windstille Tage; meist herrschen westliche und östliche Winde vor. Letztere sind besonders im Winter sehr kalt und schneidend und werden Polenwinde genannt.

Großborowitz bietet mit seinen teils zu beiden Seiten des Baches und der Bezirksstraße, teils zerstreut liegenden Gehöften und Häusern, von denen viele ein Alter von mehr als hundert Jahren aufweisen, einen freundlichen, anheimelnden Anblick. Die alten Gehöfte sind meistens aus Holz, in letzter Zeit wurden auch mehrere neue steinerne Häuser erbaut.

Einige Ortsteile führen besondere Namen.

Im Westen neben der Haltestelle liegt der höchste Ortsteil, die Poplusche, an der Falgendorfer Straße das ehemalige Maushaus, im Osten der Ortsteil Brennei, nach der früheren Zugehörigkeit zur Herrschaft Branna so genannt und im tiefen Talgrund gegen Zdirnitz die Hafamühle, eine ehemalige Brettsäge, deren Werk jedoch durch ein Hochwasser im Jahre 1897 zerstört wurde.

Am Windmühlenrücken steht eine weithin sichtbare Windmühle, welche noch im Betrieb ist, eine zweite daneben wird als Schupfen benützt. Auf dem Windmühlenrücken an der alten Hochstraße steht eine mit ihren zwei weitausladenden Ästen einen merkwürdigen Anblick bietende Kiefer, deren Wipfel von einem Blitzschlag zerschmettert wurde. Ihr Alter lässt sich nicht gut feststellen, dürfte aber über 200 Jahre betragen und ist noch ein Überbleibsel des einstigen großen Kiefernwaldes, von dem Großborowitz den Namen führt.

Das Gemeindegebiet ist 996 ha 63 a 49 m², also rund 10 km² groß und grenzt nur an drei deutsche Gemeinden, nämlich Kleinborowitz im Osten, Widach im Westen und Stupna im Süden, Tschista und Zdirnitz im Norden und Stankau, Petzka im Süden sind tschechisch.

Großborowitz gehörte im Jahre 1380 dem Johann Petzka von Petzka. Im 16. Jahrhundert gelangte es an die Herrn Boritzky von Boritz und an die Brüder Johann Georg und Wilhelm Litoborsky von Chlum, 1544 an Heinrich Stopek, 1620 an Christoph Harant von Poltschitz. 1623 besaß es Rudolf Seidlitz als ein selbstständiges Gut, das später konfisziert und an Albrecht Grafen von Waldstein um 28.000 fl. verkauft und wieder mit Petzka vereinigt wurde. Dieser stiftete mit 8. Dezember 1627 das Karthäuserkloster Walditz, wofür er für 14 Ordensmänner die Herrschaft Radim und Petzka, hierbei auch Großborowitz, bestimmte. Dieses Kloster wurde 1782 durch Kaiser Josef II. aufgehoben und die Güter Radim und Petzka dem Religionsfonde zugewiesen. Im Jahre 1824 erwarb diese Güter Fürst Ferdinand von Trautmannsdorf durch Kauf.

Ein kleinerer, östlicher Teil von Großborowitz gehörte, wie schon erwähnt, zur Herrschaft Starkenbach (Branna). Obgleich hart an der Sprachgrenze gelegen und nördlich wie südlich von tschechischen Ortschaften begrenzt, hat sich der Ort sein Deutschtum bis heute treu bewahrt.

Die Kirche zu Großborowitz wurde in den Jahren 1719 - 1722 unter dem damaligen Altrichter Friedrich Sturm erbaut und am 31. August 1722 durch Herrn Heinrich Stummel, Domherrn zu Königgrätz, eingeweiht. Herr Anton Petters, Pfarrer in Petzka, las das erste hl. Messopfer. Sie war anfangs eine Filialkirche der Pfarre von Petzka, stand unter dem Patronate des Priorats des Karthäuser-Klosers zu Walditz, wurde unter der Regierung des Kaisers Josef II. im Jahre 1787 zu einer selbstständigen Lokaliekirche erhoben und das Patronatsrecht dem Religionsfonde zugewiesen. Sie gehört zum Arnauer Vikariate.

Die Seelsorger heißen: Edmund Schubert 1787-1801, Ignaz Gottwald 1802-1811, Johannes Gall 1811-1812, Anton Wenke 1812-1835, Johannes Hoedler 1836-1837, Franz John 1837-1840, Franz Riha 1840-1849, Anton Hadwig 1850-1855, Josef Schlösser 1855-1862, Anton Lucke 1862-1879, Johann Schemberg 1879-1883, Johann Gebert 1883-1900, Josef Hajek 1900-1910, Josef Novak 1910-1912, Johann Klaschka 1913 bis heute.

Der erste vorschriftsmäßige Schulunterricht begann am 3. September 1783 auf Veranlassung des Burggrafen Johann Hollmann in Petzka. Das erste Schulhaus wurde im Jahre 1808 gebaut. Das heutige im Jahre 1894 errichtete Schulgebäude ist das dritte. Die Schule wurde 1865 zweiklassig, doch wurde schon im nächsten Jahre die zweite Klasse wieder aufgehoben und erst 1876 wieder errichtet. Am 1. Jänner 1913 wurde eine provisorische Parallele zur 3. Klasse eröffnet, welche in einem von der Gemeinde angekauften und zu Schulzwecken hergerichteten Nachbarhause untergebracht ist. Die Schülerzahl betrug im Jahre 1894 über 220, dann fiel sie ständig und erst in den letzten Jahren ist sie wieder im Zunehmen begriffen. Im Schuljahre 1914/15 beträgt die Schülerzahl wieder nahe 200.

Als Schulleiter (Oberlehrer) wirkten: Josef Glas 1783-1823, Narzissus Glas 1823-1860, Josef Sajic 1860-1861, Wenzel Jäger 1861-1871, Anton Glas 1871-1894, August Ettelt 1894 bis jetzt. Als Lehrer waren hier: Josef Novacek 1865-1866, Robert Witt bis 1877, Wenzel Patzak 1877-1878, Anton Meiwlad 1878-1879, Johann Kühnel 1879-1882, Alois Just 1882-1892, Otto Martin 1892-1894, Josef End 1894 bis heute, Adolf Caba 1895-1896, Johann Pochop 1896 (2 Monate), Ida Fiedler 1896-1897, Franz Wonka 1897-1898, Olga Skach 1898 (1 ½ Monate), Rudolf Fiedler 1898-1906, Ottomar Fibiger 1906-1908, Rudolf Rührich 1908 bis heute, Franz Beran 1913 bis heute. Handarbeitslehrerinnen: Mathilde Cerfovsky 1878-1879, Betti Erben 1879-1880, Wilhelmine Richter 1880-1884, Anna Rudolf 1885 bis heute. Den Religionsunterricht erteilen die jeweiligen Ortsseelsorger.

Die Einwohnerzahl sank von 1250 im Jahre 1900 auf 1210 im Jahre 1910. Die Ortsbewohner beschäftigten sich meist mit Ackerbau und Viehzucht. Früher wurde fast in jedem Hause Handweberei betrieben, heute finden zahlreiche Einwohner in der mechanischen Weberei des Ortes selbst und in den Fabriken von Kleinborowitz und Mastig lohnende Beschäftigung.

Die mechanische Baumwollweberei der Firma Rudolf Mautner wurde 1911 erbaut und entspricht im Äußern und Innern allen Anforderungen der Jetztzeit. In derselben sind 200 Arbeiter bei 400 Stühlen beschäftigt. Ein altes, für Großborowitz eigentümliches Gewerbe ist die Drahtweberei (Siebmacherei), welche daselbst schon über hundert Jahre, gegenwärtig in zwei Fabriken, betrieben wird. Besitzer derselben sind Johann Schaft und Franz Scharf.

Außen den sonst ortsüblichen Handwerkern finden wir hier im Orte auch 3 Holzwarenerzeuger (Rechenmacher u.s.w.), 1 Siebmacher, 2 Weberfaktoren und 1 Zuckerbäcker.

Den Verkehr mit den Nachbarorten vermittelt die den Ort durchziehende Bezirksstraße und die Südnorddeutsche Verbindungsbahn, deren hiesige Haltestelle 1886 errichtet wurde. Die Gemeinde ist dem Postamte Kleinborowitz zugeteilt.

Als Richter sind bekannt: Der Altrichter Friedrich Sturm 1720, Johann Georg Kaudl 1787, Johann Rolf 1794, Adam Mindl 1812, Christian Rolf 1831; als Gemeindevorsteher wirkten: Anton Sturm bis 1870, Josef Spitschan 1870-1873, Anton Sturm 1873-1880, Wenzel Spitschan 1880-1906, Christian Tauchmann 1906 bis heute.

Vereine nebst Gründungsjahr: Feuerwehr 1881, deutscher landwirtschaftlicher Verein 1888, Ortsgruppe des Deutschen Schulvereins 1890, Spar- und Darlehenskassenverein 1904, deutscher Turnverein (Riesengebirgsturngau) 1909, Ortsgruppe des Bundes der Deutschen in Böhmen 1913. Außerdem besteht eine Gewerbegenossenschaft und eine Genossenschaftskrankenkasse.
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Re: Aus der Literatur...

Beitragvon Fritzi » Sa 8. Mai 2010, 12:19

Ortsbuch Großborowitz, Kleinborowitz, Stupna, Widach, Nedarsch

Über Fernleihe hatte ich mir von einer Bibliothek in Dresden das Ortsbuch ausgeliehen, es ist sehr lesenswert und gefällt mir gut :)

Kennt hier jemand den Autor Augustin Hakel, und gibt es noch Exemplare? Wenn nicht, wäre es denkbar, hier Textauszüge als pdf zu posten?
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Re: Aus der Literatur...

Beitragvon Miranda » Do 5. Aug 2010, 21:20

Ich habe mir das Buch vor circa 2 Jahren gekauft. Ob es noch Exemplare davon gibt, weiss ich nicht. Auszüge hier zu posten geht ohne Genehmigung nicht. Ich versuche mich schlau zu machen bzw. die Genehmigung zu bekommen.
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